© Deutscher Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V. Christian Huttenloher (Generalsekretär und Vorstandsmitglied beim Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V.).

In einer Smart City – einer intelligenten Stadt – sollten nicht die technischen Lösungen im Mittelpunkt stehen, sondern die Idee einer lebenswerten Stadt, sagt Christian Huttenloher, Generalsekretär und Vorstandsmitglied beim Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V. (DV). Im Interview erklärt er, wie der Alltag der Bürger durch digitale Anwendungen verbessert wird und warum der Austausch zwischen deutschen Städten und Kommunen auf ihren Wegen zur Smart City so wichtig ist.

atene KOM: Welche deutsche Stadt sehen Sie am ehesten als Smart City?
Christian Huttenloher: So pauschal lässt sich das gar nicht sagen, weil jede Stadt und jede Kommune ihren eigenen Ansatz und eigene Schwerpunkte gefunden hat. Sehr weit vorn sehe ich München, Köln und Hamburg – aber auch Leipzig. Die sächsische Stadt setzt zum Beispiel einen Schwerpunkt auf die Bürgerbeteiligung und bindet die lokale Wirtschaft in den Digitalisierungsprozess mit ein. Es fällt auf, dass Städte und Kommunen in Deutschland meist zunächst Teilaspekte digitalisieren und sich intelligente Anwendungen suchen, die zur eigenen Stadt passen – anders als zum Beispiel Städte im arabischen oder asiatischen Raum, die ganze Stadtteile neu bauen und von vornherein mit digitalen Anwendungen ausstatten.

atene KOM: Wie können Smart City-Lösungen den Alltag der Bürger verbessern?
Huttenloher: Es sind viele kleine Anwendungen, die den Alltag leichter machen. In Berlin ist das unter anderem die Möglichkeit, Termine im Bürgeramt online zu vereinbaren. So spart der Bürger zahlreiche Anrufe – und damit Zeit. Ein anderes Beispiel sind Mobilitätsapps, die sich nicht nur auf eine Stadt beschränken, sondern ganze Regionen umfassen. Außerdem lassen sich Beteiligungsprozesse vereinfachen: Die Stadt Hamburg hat seine Bürger online zur Standortwahl von Flüchtlingsheimen befragt. So erhält die Stadtverwaltung Rückmeldungen aus der Bevölkerung, die sie sonst nicht bekommen hätte.

atene KOM: Welche Herausforderungen gibt es bei der Einführung von Smart City-Lösungen in Deutschland?
Huttenloher: In den Städten und Kommunen wird stark diskutiert, wie die Stadtverwaltung die Hoheit und Kontrolle über das, was in der Smart City passiert, behalten kann – und nicht an die Unternehmen verliert, die die digitalen Anwendungen anbieten. Die Kommunen dürfen sich nicht zu abhängig von den Anbietern und ihren Systemen machen. Die betrifft auch die Fragen nach Datenhoheit und Datensicherheit.
Eine andere Herausforderung, vor der die Städte stehen, ist die eigene, interne Weiterentwicklung. Die Städte und Kommunen haben die Verantwortung, die Smart City-Prozesse zu steuern und voranzutreiben. Dabei müssen sie bedenken, dass der digitale Wandel so schnell voranschreitet, dass langwierige Konzeptionsphasen nicht mehr zeitgemäß sind. Hier braucht es flexible Konzepte statt starrer 15-Jahrespläne, sonst sind die Smart City-Ideen schnell veraltet.

atene KOM: Was muss sich konkret ändern, damit deutsche Städte smarter werden?
Huttenloher: Ein intensiver Austausch unter den Städten ist essenziell, damit mehr Cities smart werden. Wir brauchen Modellprojekte und Forschungsvorhaben, die Smart City-Anwendungen in der Praxis testen. Die beteiligten Städte müssen dann ihre Erfahrungen mit den Kommunen teilen, die noch am Anfang stehen. Ein guter Ansatz ist die Förderung von Smart City-Modellprojekten durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat – wenn dann auch ein Erfahrungsaustausch mit anderen Städten stattfindet.

atene KOM: Wie stellen Sie sich die ideale Smart City vor?
Huttenloher: Eine ideale Smart City besteht für mich nicht nur aus rein technischen Lösungen, sondern ist in erster Linie eine gesunde und lebenswerte Stadt. Digitale Anwendungen ermöglichen dann zum Beispiel bessere Umweltwerte, weil der Verkehr intelligent gesteuert und mit der Energieversorgung vernetzt ist. In einer Smart City wird die Infrastruktur effizient verwaltet und ich finde mich als Fremder besser zurecht, weil mir jederzeit Informationen über Geschäfte, Restaurants oder wichtige Orte zur Verfügung stehen.