Einstiegspunkt der Spülbohrung auf einer Wiese – gut zu sehen ist das Bohrgestänge, das schräg in den Boden zielt
Foto: IBZ Neubauer

Bei der Umsetzung von Breitbandprojekten werden unterschiedliche Methoden für die Verlegung der Glasfaserleitungen eingesetzt. Im Gegensatz zum „klassischen“ Tiefbau, im Rahmen dessen ein offener Graben ausgehoben wird und die Rohre mindestens einen Meter tief verlegt werden, kommen alternative Verlegetechniken mit geringerer Tiefe – und im Idealfall nahezu ohne große Baugrube(n) aus. Daneben lässt sich mit den modernen Verfahren Zeit und nicht zuletzt auch Geld sparen.

Unsere neue Serie „Alternative Verlegemethoden“ stellt Ihnen verschiedene alternative Verlegetechniken vor, zeigt Vor- und Nachteile der einzelnen Varianten und benennt konkrete Anwendungsszenarien.

Im ersten Teil unserer Serie „Alternative Verlegemethoden“ erfahren Sie Wissenswertes über das Spülbohrverfahren. Dieses alternative Verlegeverfahren nutzt einen Bohrkopf, der sich durch den Untergrund gräbt und anschließend die zu verlegenden Leerrohre einzieht. Das Spülbohrverfahren wird häufig bei der Unterquerung von Hindernissen wie Bahntrassen, Straßen oder Flüssen eingesetzt.


Der Glasfaserausbau in Deutschland schreitet – erst recht seit der Überarbeitung des Bundesförderprogramms Breitband im Jahr 2018, seit der ausschließlich reine Glasfaseranschlüsse gefördert werden und der Ablauf erheblich vereinfacht wurde – mit Hochdruck voran. Daran hat auch die Corona-Pandemie bislang wenig ändern können: Die meisten Akteure haben in der Zwischenzeit individuelle und innovative Lösungen gefunden, mit denen der Gigabitausbau weiter engagiert vorangetrieben wird.

Hierbei spielen auch alternative Verlegetechniken eine wichtige Rolle, die an die Stelle des „klassischen“ Tiefbaus treten, bei dem Leitungen in einem Meter Tiefe oder mehr unter die Erde gebracht werden. Durch die Nutzung innovativer Verlegemethoden kann Zeit und Geld gespart werden – denn die Tiefbaukosten stellen die mit Abstand teuerste Komponente (bis zu 90 Prozent) beim Glasfaserausbau dar.

Eine dieser Verlegetechniken ist das so genannte Horizontal-Spülbohrverfahren (Horizontal Directional Drilling – „HDD“), meist schlicht „Spülbohrverfahren“ genannt. Hier arbeiten nicht nur alle Beteiligten unter Hochdruck, sondern auch die eigentliche Verlegung arbeitet genau nach diesem Prinzip: Eine spezielle Bohrflüssigkeit („Bohrsuspension“) strömt mit hohem Druck aus dem mit Düsen bestückten Bohrkopf, lockert das Erdreich sowie Steine und fördert den Schlamm und Abraum aus dem Bohrloch.

Links: Der Bohrkopf in der Nahaufnahme // Rechts: Die Spülbohrung mit versenktem Bohrgestänge
Fotos: Landkreis Ludwigslust-Parchim

Diese so genannte Bohrspülung stabilisiert gleichzeitig den Bohrkanal, so dass dieser nicht mehr zusammenfallen kann. Die eingesetzte Flüssigkeit besteht aus Wasser, das mit Bentonit, einem Tonmineral, sowie weiteren Zusatzstoffen vermischt wird.

Da das Spülbohrverfahren vom Start- bis zum Zielpunkt komplett unterirdisch verläuft („grabenlos“), kommt es vor allem dort zum Einsatz, wo ein offener Tiefbau nicht möglich ist oder unwirtschaftlich wäre. Dies gilt etwa für die Querung von Hindernissen (z.B. Bahntrassen oder Flüssen) oder beim Passieren besonders schützenswerter Oberflächen wie etwa in Naturschutzgebieten. Felsiger Untergrund stellt dabei kein Hindernis dar – in diesem Fall wird einfach ein spezieller Bohrkopf verwendet. Mit einer Spülbohrung können Distanzen von einigen Metern bis zu mehreren hundert Metern überbrückt werden.

Besonders geeignet ist das Spülbohrverfahren auch bei der Verlegung der Glasfaser vom Bürgersteig bis zum Keller des jeweils anzuschließenden Hauses: Der Vorgarten bleibt völlig unangetastet; die Bohrung wird bis zur Kellerwand komplett unsichtbar realisiert.

Vor dem Start einer Spülbohrung muss indes bekannt sein, welche anderen Leitungen / Infrastrukturen in der Vergangenheit unterirdisch verlegt wurden, damit sie beim Bohren nicht beschädigt werden. Aus diesem Grund müssen sich die Planer zuvor einen genauen Überblick über die konkrete Situation vor Ort verschaffen.


Unsere Serie „Alternative Verlegemethoden“