Welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf die digitale Bildung hat und welche Schlüsse Wissenschaft und Politik daraus für das Bildungssystem der Zukunft ziehen können: Das war eines der Themen beim dreitätigen Kongress „Digitaler Staat“, der am Mittwoch zu Ende gegangen ist.

Wie sieht die Schule der Zukunft aus? Die Frage lässt sich im Prinzip ganz kurz beantworten: Digital. Der Größe der Herausforderung wird diese Antwort jedoch nicht gerecht. Klar ist: Digitalisierung ist die Voraussetzung für einen erfolgreichen Bildungssektor – heute schon und morgen ohnehin. Grundlage für einen digital gestützten Unterricht an Schulen, Universitäten und allen anderen Bildungsstätten muss deshalb eine funktionierende und zukunftsorientierte technische Infrastruktur sein.

Widar Wendt, Leiter des Bildungsmanagements bei der atene KOM Akademie, sprach sich als einer der Experten auf dem Podium beim Kongress „Digitaler Staat“ dafür aus, aus den aktuellen Erfahrungen zu lernen. „Wir sollten den Digitalisierungsschub, der durch die Corona-Pandemie angestoßen wurde, als Chance nutzen“, sagte er am Mittwoch im Rahmen des hochkarätig besetzen Panels mit dem Thema „Von der Ausnahmesituation zum Status Quo in der Digitalen Bildung“. Es gehe jetzt darum, Best-Practices für die digitale Bildung zu entwickeln und den übergreifenden Wissenstransfer weiter voranzutreiben.

Mit Wendt diskutierten Dr. Sarah Henkelmann, Sprecherin des Netzwerks Digitale Bildung (Moderation), Andreas Schleicher, Direktor des Direktorats für Bildung bei der OECD, Jens Klessmann, Geschäftsbereichsleiter Digital Public Service bei Fraunhofer FOKUS, Axel Simon, Chief Technologist Networking bei HPE Aruba und Mick Zander, Manager Communication von Increase Your Skills über die Zukunft der Bildung. „Wir müssen jetzt einheitliche Qualitätsstandards für digitale Bildung setzen“, forderte Wendt. Verpflichtende Fortbildungen, wie es sie bereits in Österreich gibt, sind für ihn allerdings der falsche Ansatz. „Es geht vielmehr darum, Angebote zu entwickeln, die Lehrkräfte begeistern und die sie gerne besuchen.“ Zudem müssten medienbezogene Inhalte stärker in die Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte integriert werden.

Zwei-Drittel-Mehrheit ist für mehr digitale Medien im Unterricht

Doch nicht nur inhaltlich, auch technisch können Staat und Bildungseinrichtungen den Digitalisierungsschub durch die Corona-Pandemie nutzen. „Um digital gestützten Unterricht durchführen zu können, brauchen Schulen eine sehr gute Breitbandanbindung – möglichst Glasfaser bis ans Schulgebäude“, betonte Wendt. Hinzu komme eine gute schulinterne Infrastruktur mit eigenem Datennetz und die bauliche Voraussetzung, um auch künftige Innovationen unkompliziert nutzen zu können.

Wendt betonte, es bestehe bereits große Einigkeit zwischen Eltern, Schüler*innen und der Lehrerschaft darüber, digitale Lernangebote und neue Lernformen auszuweiten. In dem Zusammenhang verwies er auf eine im Januar veröffentlichte Sonderauswertung des D21-Digital-Index. Demnach sind mehr als zwei Drittel der Befragten der Ansicht, dass digitale Medien und Materialien künftig verstärkt im Unterricht eingesetzt werden (72 Prozent) und Schulen besser mit digitaler Infrastruktur ausgestattet werden (70 Prozent) sollten.

atene KOM Akademie mit virtuellen Stand vertreten

Mit „Digitaler Staat“ veranstaltet der „Behörden Spiegel“ eines der zentralen Ereignisse zur Modernisierung der Verwaltung. In diesem Jahr fand der Kongress Corona-bedingt vollständig digital statt. „Wir freuen uns sehr, dass wir gerade unter diesen besonderen Bedingungen so viele Menschen an unserem virtuellen Kongressstand begrüßen durften“, resümierte Widar Wendt. „Wir hoffen, wir konnten sie mit unserem Themenangebot vom Digitalpakt Schule bis zum Kompetenzzentrum Digitale Bildung interessieren und begeistern.“