© VDA, Dr. Joachim Damasky, Geschäftsführer beim Verband der Automobilindustrie (VDA)

Bis Fahrzeuge gänzlich autonom auf den Straßen unterwegs sind, wird noch etwas Zeit vergehen. Zuerst muss der Schritt zum automatisierten Fahren gegangen werden. Dabei führt das Auto viele Vorgänge selbstständig aus und fordert den Menschen in kritischen Situationen dazu auf, die Fahrzeugführung wieder zu übernehmen. Dr. Joachim Damasky, Geschäftsführer beim Verband der Automobilindustrie (VDA), sprach mit der atene KOM über die Voraussetzungen, die geschaffen werden müssen, damit automatisiertes und später auch autonomes Fahren in Deutschland zur Realität wird.

atene KOM: Welche Technologien im Bereich automatisiertes Fahren können Autofahrer schon heute nutzen?
Dr. Joachim Damasky: Seit der Einführung des Antiblockiersystems (ABS) im Jahr 1978 werden laufend neue Fahrerassistenzsysteme entwickelt. Heute entlasten zum Beispiel Spurhalteassistenten, der Tempomat oder der Abstandsregelassistent (ACC) den Fahrer. Mittlerweile sind auch Parkassistenten mit kombinierter Längs- und Querführung auf dem Markt. Und es halten Systeme Einzug, die die Bedienung dieser kombinierten Längs- und Querführung auch von außen ermöglichen. Das lästige genaue Rangieren wird da vom Fahrzeug übernommen und der Fahrer kann sein Fahrzeug verlassen, bevor es in einer engen seitlichen Parklücke steht.

atene KOM: Wie sieht Ihre Zukunftsvision für Deutschland hinsichtlich automatisierter Fahrzeuge aus?
Dr. Damasky: In einigen Jahren werden erste Fahrzeuge mit entsprechender Sensorik und Informationsverarbeitung ausgestattet sein, die Funktionen des automatisierten aber auch des fahrerlosen Fahrens für spezifische Anwendungsszenarien ermöglichen. Dabei erwarten wir zunächst automatisierte Fahrfunktionen für Autobahnen- und im ersten Schritt für Staufahrten. Darauf aufbauend werden weitere Anwendungen folgen. Ziel ist es, auch Fahrten in der Stadt oder im ländlichen Raum zu unterstützen. Der Weg zur Hoch- und Vollautomatisierung ist jedoch nicht nur ein technologischer: Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen national und international im Gleichklang weiterentwickelt werden.

atene KOM: Vor welchen Herausforderungen steht Deutschland aktuell beim Thema automatisiertes Fahren?
Dr. Damasky: Wir treiben das vernetzte und automatisierte Fahren voran. Dazu brauchen wir aber eine leistungsfähige digitale Infrastruktur – also eine flächendeckende Abdeckung entlang der Landes- und Bundesstraßen, der Autobahnen und in Industrieregionen. Ob sich das vernetzte und automatisierte Fahren in den kommenden Jahren in Deutschland etabliert, hängt maßgeblich von der digitalen Infrastruktur hierzulande ab. Nur mit einer flächendeckenden, dynamischen Mobilfunknetzabdeckung entlang aller Verkehrswege lassen sich die Potentiale des automatisierten und vernetzten Fahrens voll ausschöpfen.

atene KOM: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, damit die Fahrzeuge in Deutschland gänzlich autonom auf den Straßen unterwegs sind?
Dr. Damasky: Für das automatisierte Fahren – das heißt, der Fahrer übernimmt die Fahrzeugführung, wenn das System ihn dazu auffordert – müssen noch die technischen Vorschriften für die Zulassung der Systeme entwickelt werden. Dies geschieht international im Rahmen der Gremien der Vereinten Nationen (UN). Das fahrerlose Fahren wird sich in den kommenden Jahren noch auf spezifische und räumlich eingegrenzte Anwendungen in Verbindung mit einem Betreiber beschränken. Für diese Anwendungen müssen sowohl national als auch international die Bedingungen für die Zulassung und den Betrieb formuliert werden. Denn autonome, also fahrerlose Fahrzeuge, sind in Deutschland außerhalb von Testanwendungen noch nicht zulassungsfähig.

atene KOM: Welche Veränderungen wünschen Sie sich, damit das automatisierte Fahren erfolgreich eingeführt werden kann?
Dr. Damasky: Ich wünsche mir, dass sich immer mehr Menschen von den Vorteilen des automatisierten Fahrens überzeugen lassen. Die Potenziale sind wirklich gewaltig: Automatisiertes Fahren erhöht die Verkehrssicherheit und beschert dem Fahrer Flexibilität und Zeit, die er sinnvoll anders nutzen kann. Immer mehr Menschen werden auch im hohen Alter noch mobil sein können – entweder durch die Nutzung automatisierter Fahrzeuge oder unterstützt durch Assistenzsysteme im eigenen Fahrzeug. Automatisiert fahrende Fahrzeuge sind flexibler als ein Bus, wodurch Wohnen auf dem Land wieder an Attraktivität gewinnt. Nicht zu vergessen ist auch, dass der Güter- und Verteilerverkehr mit automatisierten Systemen viel effizienter und umweltfreundlicher ausgestaltet werden kann.

Weitere Informationen zum Thema Mobilität finden Sie in der Schriftenreihe Verkehr und Umwelt der atene KOM.