Auf der atene KOM-Zukunftsreise treffen wir Menschen, für die Digitalisierung mehr als nur ein Schlagwort ist. Mathias Rechel ist Geschäftsführer der MIP Technology GmbH, eine Ausgründung aus dem Institut für Mikroproduktionstechnik der Leibniz Universität Hannover.
MIP Technology stellt die magnetische Informationsplattform MIP her: besonders robuste ID-Tags, die dort eingesetzt werden können, wo RFID und optische Identifikationstechniken an ihre Grenzen stoßen. Damit sind sie ein Baustein für die digitale Fabrik von Morgen.

Herr Rechel, Anfang Juli wurde erneut der Innovationspreis Niedersachsen 2022 vergeben. Vor zwei Jahren haben Sie in dieser Kategorie gewonnen. Was hat sich seitdem bei Ihnen getan?

Wir haben das magnetische ID-Tag zur Erfassung von Produktionsmittel zur Serienreife entwickelt. Die herausragenden Eigenschaften so einer magnetischen ID sind deren thermische Beständigkeit bis 300°C sowie die Robustheit gegenüber Einflüssen im Produktionsumfeld. Diese können neben thermischen Einflüssen, auch Abrasion oder ein chemischer Angriff sein. Weiterhin haben wir auf der Hannover Messe dieses Jahr sehr positives Feedback erhalten und konnten erste Pilotprojekte starten. Auf der Messe wurden wir mit dem Hermes-Award in der Kategorie Start-up ausgezeichnet.

Dieses Jahr planen wir außerdem die Validierung der Technologie in der Spritzguss- und Vulkanisierindustrie. Nachdem diese Marktsegmente angelaufen sind, planen wir die Entwicklung eines magnetischen Datenmatrix-Codes als Sicherheitsmerkmal. Dieser kann sowohl bei der Bekämpfung von Plagiaten, aber auch als Sicherheitsmerkmal für hoheitliche Dokumente eingesetzt werden.

Welche Rolle spielt Digitaltechnik bei Ihrer Arbeit?

Natürlich spielt sie beim mobilen Arbeiten eine wichtige Rolle, sei es zur Vernetzung des Teams oder zur Entwicklung des Produktes. Bei unserer Mission, die digitale Fabrik umzusetzen, gucken wir ständig auch über den eigenen Tellerrand. Im Fall der magnetischen ID bedeutet dies, dass wir neben der Entwicklung unserer Plattform, Aspekte wie die Vernetzung von Fabriken in Betracht ziehen. So haben wir erst vor Kurzem die Konnektivität unserer Software über MQTT zu Planungsschnittstellen wie Manufacturing Excecution Systemen (MES) und Enterprise Resource Planning (ERP) Tool hergestellt.

Digitale Zwillinge in der Industrie und Logistik nutzen ID-Tags zur digitalen Erfassung physischer Objekte und Prozesse. Was kann MIP Technology, was herkömmliche Identifikationstechniken nicht können?

Wir sind davon überzeugt, dass die Magnetische Informations-Plattform (MIP) ein Game-Changer in der Industrie 4.0 ist. Es gibt viele Bereiche, wo bestehende Identifikationslösungen an ihre Grenzen stoßen. Beim Spritzguss, Vulkanisieren oder bei Zerspanwerkzeugen sind optische Codes und RFIDs nicht in der Lage, zuverlässig und langzeitstabil eine automatisierte Erfassung der Produktionsmittel zu gewährleiten. Dies ist den Prozessumgebungen wie Temperatur, Abrasion und Verschleiß geschuldet. Die magnetische Kennung ist in diesen Branchen eine echte Alternative, um eine vollautomatisierte Fabrik umsetzen zu können.