Eine Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsnetzwerk Ernst & Young (EY) kommt zu dem Ergebnis, dass die meisten Breitbandkoordinationsstellen weiterhin Förderung aktiv nutzen wollen und dabei auf bisher genutzte Fördermodelle setzen.

In der Studie „Einblicke in die deutsche Breitbandkoordination“ wurden im November per E-Mail die Breitbandkoordinationsstellen von 401 Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland angeschrieben, 111 haben geantwortet. Die Koordinierungsstellen sind ein wichtiger Spieler im Breitbandausbau in Deutschland, je nach Region aber in unterschiedlichen Verantwortungen. In den meisten Bundesländern gibt es eine Koordinationsstelle. Die öffentliche Verwaltung übernimmt wichtige Aufgaben bei der Koordination der Ausbauvorhaben verschiedener Telekommunikationsunternehmen sowie der Verwaltung und Nutzung der Förderprogramme.  Als Projektträger des Bundesministerium für Digitales und Verkehr betreut die atene KOM die Bundesländer Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Schleswig-Holstein. Das Ziel bis 2030 ist der flächendeckende Ausbau mit Glasfaser.

Je nach Bundesland findet die Koordination des Breitbandausbaus auf unterschiedlichen Ebenen statt, in Sachsen-Anhalt z. B. viel stärker auf Landesebene und in Bayern hauptsächlich auf Gemeindeebene. Dagegen werden die Förderung und der Ausbau in Niedersachsen zumeist von den Landkreisen organisiert. Dementsprechend war auch die Antwortbereitschaft unterschiedlich. Die Region Mitte ist mit 35 Prozent Rückmeldungen laut EY besonders stark repräsentiert, die Region Süd eher unterrepräsentiert (14 Prozent haben geantwortet). Das sollte bei den Ergebnissen nicht vergessen werden.

Fast alle Teilnehmer der Studie (97 Prozent) haben die Förderung aus dem Weiße-Flecken-Programm genutzt und ein Großteil (71 Prozent) plant, auch dessen Nachfolger, das Graue-Flecken-Förderungsprogramm in Anspruch zu nehmen, wobei 60 Prozent auf die Erhöhung der Aufgreifschwelle warten. Die Breitbandkoordinierungsstellen, die bereits in der Vergangenheit ein Betreibermodell genutzt haben, planen dies auch im Graue-Flecken-Programm.

Glasfaserausbau ist alternativlos

Ein weiteres interessantes Fazit der Studie lautet: „Mittelfristig ist der FTTB/FTTH-Ausbau alternativlos.“ Allerdings ist der heutige Glasfaseranteil noch unzureichend. Genau dafür gibt es die Förderprogramme vom Bund, Land und Kommune. Die Autoren der Studie formulieren dabei zwei Kernthesen: „Die Koordination des eigenwirtschaftlichen und geförderten Glasfaserausbaus auf Kreisebene durch öffentliche Verwaltungen ist ein maßgeblicher Erfolgsfaktor für den zielgerichteten eigenwirtschaftlichen Ausbau und den effizienten Einsatz von Fördermitteln für flächendeckende FTTH-Lösungen. Durch die Abwägung von Ausbauoptionen und die aktive Koordination der eigenwirtschaftlichen Ausbauanfragen von TKU auf Kreisebene erbringen die Koordinationsstellen einen maßgeblichen Beitrag für die verlässliche Realisierung möglichst flächendeckender Lösungen und den effizienten Einsatz von Fördermitteln.“

Die hohe Aktivität auf dem FTTH-Markt könnte einen Großteil heutiger „Fördergebiete“ aber eigenwirtschaftlich erschließen, so die Autoren der Studie.

Das kommentiert Nora Simon, Leiterin Gesamtkoordination im Rahmen der Projektträgergeschäft der atene KOM: „Der privatwirtschaftliche Ausbau hat immer Vorrang – jedoch gilt es bei den Gebieten bei denen auch heute schon absehbar ist, dass diese nicht wirtschaftlich rentabel erschlossen werden können, keine Zeit zu verlieren und bereits frühzeitig die Förderung zu nutzen.“

Ein deutliches Ergebnis und bundesweiter Konsens ist, dass der flächendeckende Ausbau mit Abstand der wichtigste Faktor ist, um digitale Teilhabe deutschlandweit zu ermöglichen. Zusätzlich müssen die Zukunftsfähigkeit des Netzkonzepts und die Zuverlässigkeit der Netze garantiert sein.