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Effiziente Fernwärmesysteme sind ein wichtiger Bestandteil der nachhaltigen Energieversorgung und tragen dazu bei, Energieverschwendung und Treibhausgasemissionen (CO2) zu verringern. Die LowTEMP-Konferenz brachte Energieunternehmen, Wärmeversorger, Kommunen und Forscher zusammen, um sich über die Herausforderungen bei der Entwicklung von Fernwärmenetzen der vierten Generation auszutauschen. Organisiert wurde die Konferenz vom schwedischen Netzwerk „Sustainable Business Hub“ und dem schwedischen Energieversorger Kraftringen. Das Interreg Ostseeraumprojekt LowTEMP initiierte und unterstützte die Veranstaltung.

Professor Sven Werner von der Universität Halmstad in Schweden eröffnete die Konferenz  mit dem Hinweis, dass sich die Fernwärme nicht zum ersten Mal im Wandel befindet. Als die heutige dritte Generation der Fernwärme entwickelt wurde, stand Schweden an der Spitze dieser Bewegung. Sie wurde für fossile Brennstoffe und hohe Temperaturen entwickelt, die leicht zu produzieren und zu liefern sind. Er wies darauf hin, dass heute und in Zukunft Energiequellen für Niedertemperatur meist Wärme aus Kühlanlagen und Abfällen, Geothermie und Solarenergie sein werden.

Professorin Kerstin Sernhed von der schwedischen Universität Lund wies darauf hin, dass die Herausforderungen unterschiedlich sind, je nachdem, ob es sich um Fernwärme für neue Objekte, neue Fernwärmenetze für bestehende Gebäude oder eine Temperatursenkung in bestehenden Netzen handelt: „Wir müssen die alte Art und Weise, Fernwärmeversorgung zu installieren, unter vielen Aspekten in Frage stellen. Wir müssen uns mit neuen Materialien, neuem Design, neuen Standards, neuen Installationen, neuen Akteuren und neuen Geschäftsmodellen auseinandersetzen“.

Das Projekt LowTEMP fördert intelligente und zukunftsorientierte Wärmeversorgungstechnologien mit Niedertemperatur-Netzstrukturen und unterstützt so die Weiterentwicklung der Fernwärmeversorung. Britta Schmigotzki, Projektleiterin der atene KOM GmbH für LowTEMP, betonte, wie wichtig es ist, das Know-how über Niedertemperatur-Fernwärme zu steigern. Eines der Ergebnisse des Projekts wird ein Trainingsprogramm sein, einschließlich einer Wissensplattform für Fernwärme, welches Informationen über die Planung, Installation und Verwaltung von Niedertemperatur-Fernwärmesystemen liefert.

Mehrere Redner betonten die Bedeutung der Abwärme als Wärmequelle. Reto Michael Hummelshøj, COWI Dänemark, stellte das Projekt Österby vor, bei dem ein bestehendes Fernwärmenetz in ein Niedertemperatursystem umgewandelt wurde. Dort wird überschüssige Energie des lokalen Einkaufszentrums in das Fernwärmenetz eingespeist. Sara Kralmark vom schwedischen Energieversorger Kraftringen berichtete, dass für ein Niedertemperaturnetz in Brunnshög Abwärme aus dem schwedischen Synchrotronstrahlungslabor MAX IV in Lund genutzt wird. Dieses Netz wird das weltweit größte Niedertemperatur-Fernwärmenetz sein.

Die Fernwärmesysteme der dritten Generation werden noch lange Zeit parallel funktionieren. Sie können jedoch durch Absenken der Vorlauftemperatur energieeffizienter gestaltet werden. Intelligente digitale Temperaturoptimierungssysteme können dabei eine große Hilfe sein.

Betont wurde auch ein weiterer Vorteil von Niedertemperatursystemen: Sie ermöglichen die Verwendung von Kunststoffrohren anstelle von Metallrohren und sind damit kostengünstiger und flexibler. Im Gegensatz zu Metallrohren können sie in langen Abschnitten geliefert werden, benötigen weniger Platz und haben keine Schweißnaht.

Die Konferenz endete mit dem Wunsch nach einer gemeinsamen Plattform für den Wissensaustausch – ein gutes Signal für die LowTEMP-Partner, die sich zusammengeschlossen haben, um Wissenskapazitäten im Bereich der intelligenten und nachhaltigen Fernwärme auf- und auszubauen.

Alle Präsentationen und ein Livestream der Konferenz finden Sie auf der LowTEMP-Website.

Hintergrund:

Das Projekt LowTEMP wird von der Europäischen Union (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung und Europäisches Nachbarschaftsinstrument) im Rahmen des Interreg-Ostseeraumprogramms 2014-2020 unterstützt. Interreg ermöglicht transnationale Zusammenarbeit für die Bewältigung gemeinsamer Herausforderungen, die nicht an nationalen Grenzen enden, wie z. B. steigende CO2-Emissionen. Die LowTEMP-Projektpartner kommen aus Polen, Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland, Estland, Litauen, Lettland und Russland.

Das Projekt trägt zu den Zielen der EU2020 Strategie bei, indem es Energieeffizienz, die Nutzung erneuerbarer Energiequellen und die Reduzierung von CO2-Emissionen fördert. Ebenfalls unterstützt es die Ziele der nationalen und europäischen Raumentwicklungspolitik sowie die EU-Strategie für den Ostseeraum (EUSBSR).

Die atene KOM GmbH hat das Projekt im Auftrag des Lead Partners IMP PAN (Institute of Fluid-flow Machinery, Polish Academy of Sciences) entwickelt und ist für das Projekt-, Finanz- und Kommunikationsmanagement verantwortlich. Die atene KOM GmbH hat die LowTEMP Konferenz mitorganisiert.