Niedertemperaturfern- und Nahwärmenetze sind leistungsfähige und zukunftsweisende Versorgungssysteme, die bei der Sanierung von Gebäuden und Quartieren stärker berücksichtigt werden sollten. Mit dem Interreg V B Projekt LowTEMP (Low Temperature District Heating for the Baltic Sea Region) werden zu diesem Thema erste umsetzbare Ansätze erarbeitet und Erfahrungen ausgetauscht. Vom 19. bis 21. September fand in Lettland das dritte Partnertreffen im Rahmen des Projektes LowTEMP statt. Gastgeber waren die Technische Universität Riga, die Stadt Gulbene und die Planungsregion Vidzeme. Nachdem am ersten Tag ein Partnerworkshop zu den Themen Projektfortschritt und anstehende Projektaktivitäten in der Rigaer Universität stattfand, lag der Fokus an den nachfolgenden zwei Tagen neben Besichtigungen von lettischen Projekten zu Energieeffizienz in Gebäuden, vor allem auf dem Kennenlernen des lettischen Pilotprojektes.

Die Stadt Gulbene im Nordosten Lettlands ist der erste Partner, der im Rahmen des Projektes LowTEMP mit der Umsetzung seiner Pilotmaßnahme startet. So wird in dem Dorf Belava nahe der Stadt Gulbene die existierende Wärmeversorgungsinfrastruktur durch ein Niedertemperaturnetz ersetzt, das Niedertemperaturnahwärme für zwei wärmegedämmte Gebäude zur Verfügung stellt. Interessant für die Testphase ist, dass drei verschiedene Institutionen mit unterschiedlichem Wärmebedarf und Verbrauchsverhalten diese Gebäude nutzen: die Stadtverwaltung, das Kulturzentrum und ein Kindergarten. Im Rahmen der geplanten Baumaßnahmen werden der Bau eines Containers mit Heizzentrale, die Verlegung eines neuen Rohrsystems und der Einbau von neuen Wärmeübergabe- und Kontrollstationen umgesetzt. Als Brennstoff werden Pellets verwendet. In den drei Gebäuden werden außerdem verschiedene Messstationen installiert.

Die Projektplanung und die Bauarbeiten werden durch die Stadt Gulbene finanziert. Eine Kofinanzierung über das Projekt LowTEMP erfolgt für die Umsetzung von mehreren Maßnahmen mit innovativem Charakter. Hierzu gehören eine intelligente Verbrauchsmessung, die Installation von drei mobilen Datenzentren zur Mesung des Raumklimas und die Entwicklung einer Strategie zur Umsetzung von Niedertemperaturwärmenetzen in anderen lettischen Regionen.

Anfang Oktober beginnen die Baumaßnahmen, und schon in diesem Winter können die Gebäude mit nachhaltiger Wärme versorgt werden.


Titelbild: Die Projektpartner von LowTEMP am 19.09.2018 in der Fakultät für Architektur an der Technischen Universität Riga, darunter die atene KOM-Mitarbeiter Christoph Wald (l.), Britta Schmigotzki (6. v. l.) und Darijus Valiucko (7. v. l.).
Fotocredit: Vidzeme Planning Region / Baiba Norberte
Foto unten: Die Projektpartner von LowTEMP beim Besuch des Pilotprojektraums in Belava im Landkreis Gulbene am 20.09.2018.
Fotocredit: Gulbene Municipality / Gunta Kalmane