Foto: Adobe Stock

Bei der Umsetzung von Breitbandprojekten werden unterschiedliche Methoden für die Verlegung der Glasfaserleitungen eingesetzt. Im Gegensatz zum „klassischen“ Tiefbau, im Rahmen dessen ein offener Graben ausgehoben wird und die Rohre mindestens einen Meter tief verlegt werden, kommen alternative Verlegetechniken mit geringerer Tiefe – und im Idealfall nahezu ohne große Baugrube(n) aus. Daneben lässt sich mit den modernen Verfahren Zeit und nicht zuletzt auch Geld sparen.

Im dritten Teil unserer Serie „Alternative Verlegemethoden“ zeigen wir Ihnen die Möglichkeit der oberirdischen Glasfaserverlegung. In der Regel werden Leitungen unterirdisch verlegt. Doch in manchen besonders ländlichen Regionen verzichtet man aus Kostengründen darauf. Dann kommt die oberirdische Verlegung zum Einsatz. Hierbei werden meist bereits bestehende Holzmasten zur Verlegung genutzt.


Holzmasten kennen die allermeisten Bundesbürger*innen wohl vor allem aus dem ländlichen Raum – denn dort versorgen sie noch heute vielfach kleine Dörfer oder abgelegene Siedlungen mit Strom. Seit einigen Jahren werden insbesondere diese bestehenden Versorgungslinien auch für den Ausbau mit zukunftssicheren Glasfaseranschlüssen interessant: Denn beim Glasfaserausbau entfallen nach Zahlen des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) 80 bis 90 Prozent der Kosten auf den Personal-, Material- und Maschineneinsatz beim Tiefbau. Da liegt der Gedanke nahe, die Glasfaserkabel an die bestehenden Masten – die natürlich nicht zwingend aus Holz, sondern ebenso aus Beton oder Stahl gefertigt sein können – zu hängen und so Zeit und Geld bei der Verlegung zu sparen.

Auch der Chef des Bundekanzleramts, Helge Braun, macht sich für die oberirdische Verlegung von Glasfaser stark, um das Gigabit-Ziel der Bundesregierung schnellstmöglich zu erreichen. „Ich bin total offen auch für oberirdische Verkabelung“, betonte Braun im September 2019 – auch wenn dies keine Lösung für „alle Ewigkeit“ sei. Man müsse nur nach Italien fahren und werde feststellen, dass dort „selbst auf dem historischen Dom in der Altstadt alles oben mit Kabeln“ verbunden sei. Trotzdem sei die Lebensqualität in Italien „außerordentlich hoch“.

Und auch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) sieht in der oberirdischen Verlegung einerseits eine Möglichkeit „zur Versorgung kleinerer Orte und Ortsteile oder außerhalb einer Ortschaft gelegener Objekte“ und andererseits eine Option „für eine effiziente Überbrückung von größeren Strecken“.

Oberirdische Glasfaserverlegung entlang einer Straße im Emsland
Foto: Landkreis Emsland

Hinzu kommt eine rechtlich eher unproblematische Ausgangslage: Denn die Erweiterung bestehender oberirdischer Telekommunikationslinien (Ersetzen eines Kabels oder das Anbringen eines neuen Kabels an einen bestehenden Holzmast) stellt aus Sicht des BMVI grundsätzlich keine zustimmungspflichtige Änderung im Sinne des Telekommunikationsgesetzes (TKG) dar.

Naturgemäß hat die Verlegung von Glasfaserleitungen an Holzmasten aber auch nicht zu unterschätzende Nachteile: So sind Masten und Leitungen dem permanenten Einfluss durch die Witterung unterworfen und etwa im Falle von Stürmen oder Eisbruch besonders gefährdet. Hinzu kommen Gefahren wie Vandalismus oder Schäden durch Vögel oder andere Tiere, die die Leitungen beschädigen können. Nicht zuletzt haben Holzmasten eine begrenzte Lebensdauer und müssen auch während dieses Zyklus regelmäßig gewartet werden.

Gleichwohl: Für die Erreichung der Breitbandziele der Bundesregierung kann die Nutzung von Holzmasten – wenn auch temporär – eine sinnvolle Lösung darstellen, um Bürger und Unternehmen möglichst schnell mit zukunftssicheren Gigabitanschlüssen zu versorgen.

In der Praxis gibt es solche Nutzungsszenarien bereits: So haben die Gemeindewerke Nümbrecht – die die sehr ländlich gelegene, als heilklimatischer Kurort ausgezeichnete Gemeinde im Bergischen Land (NRW) auch mit Strom versorgen – ihre bestehenden Stromtrassen mit Holzmasten beim unter anderem durch das Bundesförderprogramm Breitband geförderten Glasfaserausbau gewinnbringend einsetzen können.

Anbringen des Glasfaserkabels an einem Holzmast im Gemeindegebiet Nümbrecht
Foto: Gemeindewerke Nümbrecht

Auf diese Weise wurden im Gemeindegebiet (gut 17.000 Einwohner auf einer Fläche von knapp 72 Quadratkilometern) insgesamt beachtliche 39 Kilometer Glasfaserleitungen über bestehende Strommasten verlegt. Dabei entfällt etwa die Hälfte der Strecken auf die einzelnen Freileitungen im so genannten Niederspannungsortnetz bis zu den einzelnen Häusern und die andere Hälfte auf die „großen Trassen“ – die so genannten Mittelspannungstrassen – zwischen den Orten.

Auch beim durch den Bund geförderten Glasfaserausbau im Landkreis Emsland kommen Holzmasten bei der Verlegung zum Einsatz: Hier wurden sogar knapp 119 Kilometer Glasfaserleitungen durch den ausbauenden Netzbetreiber Deutsche Telekom realisiert. Dabei handelt es sich dann auch nicht nur um Strecken bis zur „letzten Milchkanne“, sondern ebenso um ganze Straßenzüge mit zahlreichen landwirtschaftlichen Betrieben, die mit zukunftssicheren Glasfaseranschlüssen erschlossen werden.

Holzmast mit „Glasfaserabzweig“ von der Mastbox zu einem freistehenden Haus
Foto: Landkreis Emsland

Für die Anbindung der jeweiligen Gebäude nutzt die Telekom an den Holzmasten so genannte Mastboxen. An diese grauen, quadratischen und wasserdichten Kästen werden die mit einem Stecker versehenen, vom Mast abzweigenden Glasfaserleitungen einfach nur angesteckt („Plug & Play“). Das Glasfaserkabel wird dann von der Mastbox zum entsprechenden Hausanschluss geführt.

Die Mastbox – mittig platziert am Holzmast
Foto: Landkreis Emsland

In seinem hauseigenen Blog sieht der Magenta-Konzern die oberirdische Glasfaserverlegung als „eine hervorragende Lösung, um etwas abgelegene Höfe anzuschließen“. Und der zuständige Telekom-Mitarbeiter Mario Zerson kündigte bereits im September 2018 an: „Ich gehe davon aus, dass wir bei unseren derzeit drei Millionen Holzmasten einige haben, wo wir dieses System anhängen werden.“


Unsere Serie „Alternative Verlegemethoden“

Das Spülbohrverfahren – mit Hochdruck bei der Glasfaserverlegung

Das Spülbohrverfahren – mit Hochdruck bei der Glasfaserverlegung

Einstiegspunkt der Spülbohrung auf einer Wiese – gut zu sehen ist das Bohrgestänge, das schräg in den Boden zielt Foto: IBZ Neubauer Bei der Umsetzung von Breitbandprojekten werden unterschiedliche Methoden für die Verlegung der Glasfaserleitungen...

Das Spülbohrverfahren – mit Hochdruck bei der Glasfaserverlegung

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Einstiegspunkt der Spülbohrung auf einer Wiese – gut zu sehen ist das Bohrgestänge, das schräg in den Boden zielt Foto: IBZ Neubauer Bei der Umsetzung von Breitbandprojekten werden unterschiedliche Methoden für die Verlegung der Glasfaserleitungen...