Ob auf Arbeit oder in der Freizeit, mit Freunden oder in der Familie, in der Wirtschaft oder in der Verwaltung: Es waren digitale Infrastrukturen, die uns im turbulenten und oft herausfordernden Jahr 2021 ermöglicht haben zu arbeiten und zu lernen, weiter zu machen, in Kontakt zu bleiben und über uns selbst hinauszuwachsen.

Leistungsfähige und nachhaltige digitale Infrastrukturen sind das Fundament, auf dem die digitale Gesellschaft aufbaut – und zwar nicht nur in Ballungsräumen und Großstädten, sondern gerade auch im ländlichen Raum.

Umso erfreulicher ist, dass der Gigabitausbau trotz Corona, Lieferkettenengpässen und Arbeitskraftmangel auch 2021 gut vorankam: Mitte 2021 standen rund 62 Prozent aller Haushalte in Deutschland Gigabit-Anschlüsse zur Verfügung. Das sind 2,9 Millionen Anschlüsse mehr als ein halbes Jahr zuvor und mehr als doppelt so viele wie noch Ende 2018. Deutschland ist also auf einem guten Weg in die Gigabit-Gesellschaft.

Im nächsten Jahr wird sich diese Dynamik noch weiter steigern: Mit dem neuen Graue-Flecken-Programm hat der Bund im April 2021 seine Unterstützung der Kommunen beim Gigabit-Ausbau weiter ausgebaut: Förderberechtigt sind nun alle Anschlüsse mit einer Leistung von weniger als 100 Mbit/s – zuvor lag diese sogenannte Aufgreifschwelle bei 30 Mbit/s. Alle Förderverfahren im Graue-Flecken-Programm laufen dabei digital über eine ebenfalls im April veröffentlichte zentrale Onlineplattform ab. Das sorgt für mehr Effizienz, Geschwindigkeit und Überblick bei dem für Kommunen doch oft herausfordernden Breitbandausbau.

Gleiche Voraussetzungen für Gigabit-Internet

Mit der Bundesförderung Breitband unterstützt das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) überall dort den Ausbau mit gigabitfähigen Netzen, wo sich ein privatwirtschaftlicher Ausbau nicht rentiert. Damit sorgt das BMDV für gleiche Voraussetzungen beim Ausbau der digitalen Infrastrukturen.

Mitte Dezember 2021 verzeichnete das Bundesförderprogram rund 2.420 aktive und abgeschlossene Infrastrukturprojekte, über die nach Abschluss aller Arbeiten rund 2,7 Millionen neue Gigabit-Anschlüsse realisiert werden, darunter über 11.700 Schulen, mehr als 780 Gewerbegebiete und mindestens 140 Krankenhäuser. Das BMDV unterstützt diesen Ausbau zum aktuellen Stand mit über 9,2 Milliarden Euro. Zusammen mit der Ko-Finanzierung der Länder und Kommunen wurden so Investitionen in digitale Infrastrukturen in Höhe von rund 18,7 Milliarden Euro ausgelöst.

Mit mehr Gigabit ins neue Jahr

Die digitale Zukunft in Deutschland entsteht, wenn Bund, Land und Kommunen an einem Strang ziehen. Die Beispiele aus dem gesamten Bundesgebiet zeigen dabei, wie der geförderte Breitbandausbau Digitalisierung ermöglicht, zu einem Ausgleich zwischen Stadt und Land beiträgt und die Voraussetzungen für die digitale Teilhabe der ganzen Bevölkerung schafft.

Und das ist auch das Fazit zum Jahresende, das wir bei der atene KOM als Projektträger der Bundesförderprogramms aus den Regionalbüros, von den Fördermittelberater:innen und Lotsen, den Sachbearbeiter:innen und Workshop-Veranstalter:innen hören: Den großen Stolz, zusammen mit den ausbauenden Kommunen den Weg in die Zukunft zu bereiten.

So wirkt Gigabit in den Kommunen

Der bundesweite Ausbau mit gigabitfähigen Netzen wirkt! Auch 2021 setzten Gemeinden und Städte, Landkreise und Bundesländer auf den geförderten Gigabit-Ausbau, um die Voraussetzungen für ihre Digitalisierungs- und Nachhaltigkeitsprojekte zu schaffen, die lokale Wirtschaft zu stärken, Forschung und Bildung zu modernisieren und die Daseinsvorsorge ihrer Bürger:innen sicherzustellen. Das zeigen zahllose Beispiele aus dem ganzen Bundesgebiet.

Digitale Daseinsvorsorge

Aber es sind nicht nur die großen Städte, Regionen und Bundesländer, die digital nach vorn preschen. Gerade mithilfe der Breitbandförderung entsteht die Zukunft auch in den ländlichen Gebieten und tatkräftigen Kommunen, die auf Digitalisierung für eine bessere Regionalentwicklung, Wirtschaftsförderung und Nachhaltigkeit setzen.

  • Zum Beispiel setzt der Kreis Soest als eine von fünf digitalen Modellregionen in Nordrhein-Westfalen auf den geförderten Gigabit-Ausbau: Zu den geplanten digitalen Projekten zählen unter anderem digitale Bürgerdienstleistungen, eine Open-Government- und Beteiligungsplattform und mehrere Modellorte für Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Der Bund unterstützt den Kreis mit rund 67 Millionen Euro bei der Schaffung der dafür nötigen digitalen Infrastrukturen.
  • Erst im Dezember 2021 brachte die Landesregierung Sachsen-Anhalt das Programm „Digitale Infrastrukturen in der Strukturwandelregion“ auf den Weg. Das Ziel: Die Schaffung zukunftsfähiger digitaler Infrastrukturen, also eine flächendeckende Glasfaserversorgung, der 5G-Mobilfunkausbau, WLAN, Freifunk- und besonders effiziente LoRaWAN-Netze und Rechenzentren. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der geförderte Breitbandausbau.
  • Wie der geförderten Gigabitausbau einen ganzen Landkreis verändern kann, dafür steht der Landkreis Cham in Bayern. Gerade laufen die Ausbauarbeiten für 18.000 weitere Gebäude – übrigens besonders nachhaltig. Von leistungsfähigem Glasfaserinternet profitieren aber auch die Unternehmen und Bildungseinrichtungen vor Ort. So erforscht die Firma AVL aus Roding Systeme für autonomes Fahren, und die 350 Studierenden am Technologie Campus Cham wie Künstliche Intelligenz im Zusammenspiel mit Mechatronik die Industrieproduktion verändert.

Innovation und Wachstum

Digitale Infrastrukturen ermöglichen nicht nur ein zeitgemäßes Arbeiten, Lernen und Leben, sondern sind auch die Voraussetzung für Innovation und Wachstum.

  • So nutzt die Modellregion Ostsachsen geförderte Gigabit-Infrastrukturen für ein innovatives und in Europa einzigartiges Telemedizin-Infrastruktur für Krankenhäuser und ambulante Praxen in der ganzen Region Ostsachsen. Die Plattform CSS Telehealth Ostsachsen dient dabei der Vernetzung telemedizinischer Anwendungen.
  • Digitale Infrastruktur überwindet die Kluft zwischen Stadt und Land. Das wird an innovativen Orten wie dem Coliving-, Workation- und Coworking-Projekt Coconat im brandenburgischen Bad Belzig im Landkreis Potsdam-Mittelmark deutlich. Mitten auf dem Land ermöglichte das Bundesförderprogramm so einen vernetzten, zukunftsgewandten Ort, an dem sich modern arbeiten, leben und experimentieren lässt.
  • Eine zukunftsfähige Gigabitversorgung ist ein essenzieller Standortvorteil und ein elementarer Baustein für die Wirtschaftsförderung. Zum Beispiel profitierte im Kyffhäuserkreis in Thüringen das mittelständische Technologieunternehmen EMA-TEC aus Sondershausen vom geförderten Ausbau: „Durch den Anschluss an ein zukunftsfähiges Glasfasernetz im Rahmen des geförderten Breitbandausbaus konnte unsere nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden“, sagten die Geschäftsführer Christian Köhler und Thomas Walther dem atene KOM-Regionalbüro in Leipzig.

Landwirtschaft und Naturschutz

Die Digitalisierung der Landwirtschaft ermöglicht Landwirt:innen nicht nur eine effizientere Arbeit, sondern kann auch dazu beitragen, Umwelt und Natur zu schützen. Deswegen benötigt gerade der ländliche Raum leistungsfähige digitale Infrastrukturen.

  • Dabei hilft der geförderte Gigabitausbau zum Beispiel in Niedersachsen. So werden im PraxisLabor Digitaler Ackerbau der Landwirtschaftskammer Niedersachsen – der Domäne Schickelsheim – Präzisionslandwirtschaft, Drohnen und Feldroboter erprobt. Diese Versuche setzen unter anderem auf ein 5G-Netz auf, das durch das – in diesem Jahr mit Fördermitteln verlegte – Gigabitnetz stark aufgewertet wird.
  • Im Eifelkreis Bitburg-Prüm in Rheinland-Pfalz unterstützt der geförderte Gigabitausbau die weitere Modernisierung der Landwirtschaft, zum Beispiel durch Vernetzung der Milchproduktion mit Melkrobotern.
  • Und mit der derzeit durchgeführten Gigabit-Erschließung eines Siel-/Schöpfwerks in Schleswig-Holstein trägt Glasfaser zu einer intelligenten Entwässerung des gesamten Ausbaugebiets bei: Durch die Vernetzung können die vom Werk erhobenen Wasserstandsdaten dauerhaft überwacht werden. Das ist ein wichtiger Beitrag zum Küsten- und Umweltschutz und ein präventives Warnsystem vor Überflutungen.
  • Gerade in besonders ländlichen Regionen ist Digitale Teilhabe eine große Chance zur Überwindung der Distanzen, aber auch eine technologische Herausforderung beim Infrastrukturbau. Der geförderte Gigabitausbau stellt sicher, dass abgelegene und schwer erreichbare Anschlüsse, mit schnellem Internet ausgerüstet werden können. Ohne Förderung würde etwa der dieses Jahr erschlossene Lindenhof im Modautal im Landkreis Darmstadt-Dieburg noch immer offline sein.

Digitale Bildung

Digitale Infrastrukturen sind – nicht nur in Pandemiezeiten! – eine Voraussetzung für Lernen und Forschung und dem Zugang und der Vernetzung von Lern- und Forschungsinstitutionen.

  • So war die im September abgeschlossene Gigabit-Versorgung der Burgwallschule Garz auf Rügen ein Meilenstein für die Stadt Garz: 300 Schüler:innen können nun vor Ort Laptops, Tablets und Whiteboards vernetzt nutzen und im Homeschooling digitalen Unterricht genießen.
  • An den Beruflichen Schulen im Main-Tauber-Kreis ermöglichte der geförderte Gigabitausbau die Einrichtung von hochmodernen, vernetzten digitalen Lernfabriken. Hier können Schüler:innen modellhaft erleben, wie eine moderne Produktionsstraße unter Industrie-4.0-Bedingungen gesteuert wird.